01. Februar 2013 - 14:51

Meine Diplomarbeit, an der ich seit einem halben Jahr sitze, hat ihre ersten Spuren hinterlassen:

Ich habe den Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt.

Recherchieren war schon länger ein Hobby von mir, meine Bezeichnung dafür war nur sinnlos-im-Internet-surfen und dabei Hintergrundinformationen zu gesunder Ernährung, Apples neuesten Produkten und Mittelerde durchstöbern. Irgendwann hab ich dann gelernt, das als Vorteil für mein Studium zu nutzen und Informationen zu recherchieren, die zu meinem beruflichen Werdegang beitragen.

Nicht zu vergessen natürlich die Aufnahme von Daten, um sowohl gefundene Informationen zu validieren als auch ganz neue Kenntnisse zu gewinnen. So kam ich zu meinem neuen Studienobjekt:

Wie viel Schlaf brauche ich pro Nacht?

Eins vorweg: Dieses Experiment läuft erst seit etwa 2 Wochen, ist also noch in Arbeit (und eigentlich ist es zu früh, um etwas aus den Daten zu lesen, aber die Korrelation ist einfach so schön!) Frei nach dem wikiHow-Artikel How to Know How Much Sleep You Need startete ich also meine kleine Versuchsreihe: Jede Nacht notierte ich mir die Zeit, in der ich zu Bett ging; die, zu der ich einschlief (bzw. zum letzten Mal auf die Uhr schaute); und die Zeit des Erwachens. Die Zubettgehzeit war nicht immer die gleiche, sondern schwankte zwischen halb elf und halb zwei, während die Zeit des Wachliegens interessanterweise weitgehend unabhängig davon war: Die längste Zeit war über eine Stunde, der Durchschnitt über die letzten Tage ist nur 15 Minuten.

Zusätzlich zu den drei Uhrzeiten hielt ich den Grund des Aufwachens fest. Die Theorie war: so lange, wie ich schlafe (und von selbst aufwache), so viel Schlaf brauche ich - zumindest sobald sich mein Schlafrhythmus normalisierte. Was laut wikiHow-Artikel höchstens zwei Wochen dauern sollte.

Nach einigen Tagen stieß ich bei meinen Recherchen auf ein Paper von Seth Roberts (Achtung, wissenschaftlicher Artikel!) sowie auf einen seiner Blog-Einträge, in dem er seine Experimente zu Schlafqualität schildert. In dem verlinkten Blogeintrag beschreibt er, dass er tiefer schläft, wenn er am Tag zuvor viel (auf einem Bein) steht, und somit weniger Schlaf braucht, um sich morgens gleich wach zu fühlen. So führte ich neben dem Aufwachgrund noch ein Maß für den Wachheitsgrad ein: gleich nach dem Aufwachen beurteilte ich, wie wach ich mich fühlte, von 0% - genau so müde, als ob ich eben erst ins Bett gegangen wäre - bis 100% - vollkommen wach und konzentriert! Dabei erwartete ich eigentlich keine Korrelationen mit Zubettgehzeit, Schlafdauer oder Störungen, da ich oft genug störungsfrei und ohne Wecker aufwache und mich trotzdem nicht wirklich wach fühle. Schauen wir uns mal die Daten an.

Wachheitsgrad nach Schlafdauer

Ah-ja. So wach fühle ich mich also, nachdem ich so lange geschlafen habe.

Was ich (trotz allem) am allerwenigsten erwartet hatte: bei einer bestimmten Schlafdauer fühle ich mich morgens ausgeschlafener als bei einer längeren Schlafdauer. Noch länger, und alles ist wieder in Ordnung. Naja, abgesehen von den beiden Punkten bei 9 Stunden 8 Minuten, wo ich mich bei einem subjektiv doppelt so wach fühlte als beim anderen. Bei dem anderen wachte ich durch eine Störung auf, während ich beim ersten "ausschlief" - vielleicht liegt es daran, vielleicht an der Subjektivität des Messverfahrens, vielleicht ist es nur ein ausgerissener Datenpunkt.

Die größte Korrelation entdeckt man jedoch mit einer Theorie, die ich bisher nie wirklich auf mein Leben anwandte: Es gibt sogenannte Schlafzyklen, mit Tiefschlaf mittendrin und REM-Phase außenrum. In der Tiefschlafphase sollte man besser nicht gestört werden, während es in den anderen Phasen leicht ist, aufzuwachen und sich auch wirklich wach zu fühlen. Im Schnitt sind die Schlafzyklen bei jeder Person anderthalb Stunden lang. Was bedeuten würde, dass ich mich in der ersten und letzten halben Stunde jedes Schlafzyklus (Schlafzyklusses?) beim Aufwachen deutlich ausgeschlafener fühlen sollte, als in der Mitte. Wie wäre also die Prognose des Wachheitsgefühls nach Schlafdauer?

Wachheitsgrad nach Schlafdauer

...nicht so schön. Vielleicht, wenn ich es noch etwas verschiebe..?

Wachheitsgrad nach Schlafdauer

Ah-HA!

Die Kurve musste einmal in y-Richtung gestaucht werden, da mein Wachheitsgefühl nie 0% oder 100% erreichte, und zum anderen in x-Richtung um fünfeinhalb Minuten pro Zyklus gestreckt werden. Alles weist also darauf hin, dass mein Schlafzyklus 95 Minuten und 30 Sekunden beträgt - bzw. meine optimale Schlafdauer 5 Schlafzyklen sind, also 7 Stunden, 57 Minuten und 30 Sekunden. Plus/minus etwa eine halbe Stunde. Hooray for science!

Alex

Disclaimer: Die hier aufgeführten Daten sind rein subjektiv, und eigentlich zu wenige, um irgendeine Aussage treffen zu können. Wachheitsgefühl am Morgen ist nicht zwingend ein Indikator für Schlafqualität, und auch wenn ich total müde aufwache, überlebe ich den Tag.

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