23. April 2012 - 13:07

Evangelikale, Katholiken, Atheisten und so

Erst mal vorneweg: ich mag Schubladendenken nicht.

Offensichtlich bin ich evangelikal. Ich meine, ich gehöre zu einer Freikirche und zu Campus für Christus. Bitte nicht gleich Schublade zumachen und wegklicken. ;)

Der Auslöser für diesen Blogeintrag ist ein Nachrichtenartikel, den ich soeben (über Facebook) entdeckte: Evangelikale: "Chillen mit Gott". Da dachte ich mir, das kann ich auch - schließlich ist auch bei der Zeit nicht alles perfekter Journalismus:

Zwölf Leute sind schon da, tief in sich versunken. Man liegt.

Ist damit gemeint "alle hier liegen", oder "manche liegen"? Nach meinen Erfahrungen vermute ich zweiteres, aber es liest sich eher wie ersteres.

Sie sagen: Wir Christen haben die einzig heilbringende Botschaft und müssen alle anderen, die Nichtgläubigen und die, die einen anderen Gott haben, zu unserem Gott holen.

Da weder Anführungszeichen verwendet wurden, noch Konjunktiv, kann man nur vermuten: ist das ein wörtliches Zitat oder paraphrasiert? - Könnte beides sein. Natürlich ist der Hintergrund die ehrliche Überzeugung, dass es allen Menschen gut täte, bei unserem Gott zu sein, seine Liebe und Vergebung zu erleben und ihn anzubeten. Aber so, wie es geschrieben ist, klingt es eher intolerant.

Das wichtigste ist meiner Meinung nach, im Kopf zu behalten, dass jeder seinen Standpunkt vertritt, weil er oder sie selbst davon überzeugt ist1. Wenn dir also jemand sagt "glaub an Gott, er wird deinen Schmerz nehmen und dein Leben wird erfüllt sein", glaubt er, dass es tatsächlich so ist. Oder wenn jemand sagt "Christentum ist veraltet, Gott ist nur dazu da, sich schlecht zu fühlen, weil man ja ach so sündig ist", sagt sie das, weil sie das wirklich glaubt. Wenn natürlich ein Mensch selbst was davon hat, dass andere ihm nachfolgen, darf man auch mal die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass er sie manipulieren will. Das tun Evangelikale (zumindest die, die ich kenne) nicht, sondern sagen "folge nicht mir, sondern Jesus." Oder auch: "glaube nicht mir, sondern der Bibel." Wenn eine Person andere in ihre Gemeinde locken wollte, weil alle anderen ihrer Meinung nach falsch lägen, würd ich ihre Gemeinde eher als eine Sekte bezeichnen.


Schauen wir uns mal die Sache mit der Evangelisation an.

Wie gesagt, wer andere "vom Christentum überzeugen" will, ist selbst davon überzeugt, dass es anderen hilft. Schön und gut. Mich persönlich stört das, wenn mich jemand wildfremdes auf der Straße anspricht und mit mir über meine tiefsten Überzeugungen reden will. Seit ich "Evangelikaler" bin, hab ich mich selbst an Missionseinsätzen beteiligt und gedacht, ich müsste Leuten von Jesus erzählen können und wollen. Machte mir Gedanken drüber, ob meine Strategie, Menschen offen zu begegnen und in erster Linie Gutes tun zu wollen, dem Missionsbefehl widerspricht, wenn ich nicht Jesus einstreue. Versteht mich nicht falsch, wir taten Menschen Gutes - wir verteilten kostenlos Kaffee und Kuchen. Auch Atheisten mögen Kaffee und Kuchen. Ob wir dabei sagten, dass wir das tun, um Gottes Liebe weiterzugeben, oder einfach so, oder ins Gespräch kamen und dabei das Thema auf Gott lenkten, blieb jedem selbst überlassen. Wie gesagt, war meine Strategie, zunächst mal nur zu schenken - und bei Rückfragen zu sagen "wir sind von Campus für Christus und der SMD". Vielen reichte das als Information. Ob sie dabei dachten "klar, Christen sind eben gute Menschen", oder eher "schnell Thema wechseln, bevor sie mir Flyer andrehen wollen", weiß ich bis heute nicht. Was denkt sich der typische deutsche Student, wenn er hört "wir verteilen Kuchen, weil wir Christen sind"? - Noch so eine Schublade. Aber eine naheliegende, weil die meisten Reaktionen doch ziemlich ähnlich waren.


Falls der Artikel hier ziemlich abrupt aufhört, liegt das daran, dass ich nebenher auch noch studiere. Vielleicht schreib ich später bei diesem Thema weiter. Wahrscheinlicher wird das, wenn ihr Kommentare hinterlasst (gerne auch auf Facebook) und mich damit wissen lasst, dass es Leute gibt, die sich meine Gedankenprodukte durchlesen ;)

Alex

1 Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern kommt von cracked.com: 10 Things Christians and Atheists Can (And Must) Agree On. Achtung, es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich von einigen der Bildern persönlich angegriffen fühlst - nach eigenen Angaben wurden sie zum Beweis der Objektivität so gewählt, dass sie alle Glaubenssysteme (inkl. Atheismus) gleichermaßen angreifen.

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